Dresden Loschwitz
Dresden Loschwitz | Bild: Masur / CC BY-SA 3.0

Die Geschichte von Loschwitz

Loschwitz hat sich aus einem in Elbnähe (Friedrich-Wieck-Straße) gelegenen Rundweiler zum Platzdorf mit abgetrennten Häuslergrundstücken entwickelt. Seine Flur reicht vom Waldschlößchen bis zum Wachwitzer Hohenberg und nordwärts bis zur Bautzner Landstraße zwischen Steglichstraße und Neugersdorfer Straße. Die Grundstraße gehört rechts bis Nr.84 (Ullrichstraße) und links bis Nr.137 (Säugrundweg) zu Loschwitz und liegt auf dem Steilabfall des Lausitzer Granodiorits, der unterhalb des 1862 erbauten Hafens am Körnerweg im Prallufer an den Strom herantritt. Das reich gegliederte Relief steigt von 105 m an der Mündung des Grundbaches, auch Trille genannt, bis zu 265 m gegen Wachwitz an. Der Burgberg ist ein spätslawischer Burgwall.


Urkundlich wird der Ort zuerst 1315 (Loscuicz = aso. Leute des Lozek) erwähnt Das im 13. Jh. gegründete Dresdner Maternihospital hatte von seinen Anfängen bis 1833 reichen Besitz in Loschwitz, darunter die Spittelberge zwischen Veilchenweg und Pillnitzer Landstraße. Außerdem besaßen auch die Altendresdner Augustinermönche, die Pirnaer Stadtkirche und weltliche Herren Weinberge an den Loschwitzer Hängen. Seit 1569 erfolgten auf der Hutung, an wüsten Flecken und im Loschwitzgrund Rodungen durch Förster und Forstknechte für die Anlage von Weingärten. Als 1680 die Pest zum letzten Mal Dresden heimsuchte, fanden viele begüterte Familien Zuflucht in den Weinbergen, wo sich Edelleute und wohlhabende Bürger Sommersitze geschaffen hatten, so der Kreuzkantor HEINRICH SCHÜTZ, der Oberlandbaumeister WOLF CASPAR VON KLENGEL, später auch der Goldschmied MELCHIOR DINGLINGER. Im 19. Jh. waren zahlreiche Künstler in Loschwitz ansässig oder weilten als Gäste dort.

Hochwasser

Durch die Lage am Strom drang oft Hochwasser bis an den Damm (Dammstraße, Körnerplatz) vor, so am 29.2.1784 und am 24.2.1799 mit hohem Eisgang, aus dem die Errettung zweier Menschen gelang – dargestellt von JOSEF HERMANN 1869 in einem Marmorrelief im Innern des Rundbaus auf der Friedrich-Wieck-Straße -, dann wieder am 31.3.1845 und am 7.9.1890. Auf den Hängen richteten Wolkenbrüche mehrfach schwere Verwüstungen an, besonders am 12.5.1844, am 17.6.1875 und am 12.6.1876.

Landwirtschaft und Industrie

Der Ackerbau blieb unbedeutend; es gab nur 2 Bauerngüter. Die meisten Einwohner waren arme Häusler, deren Anwesen über die kleinen Weinbergparzellen der Hänge verstreut lagen. 20 Häusler, die Loschwitzer Zwanziger, waren zum Transport des Jagdzeugs, zu Treiber- und anderen Diensten in den benachbarten Wäldern verpflichtet. Die Zwanzigerstraße hält die Erinnerung an sie aufrecht. Etwas gedrängter standen die Fachwerkhäuschen an der Grundstraße. Hier floß die Trille, ein heute kanalisierter Bach, der auf seinem 4,6 km langen Lauf 134 m Gefälle überwindet. 4 Mühlen, die Hentschelmühle (Rote Amsel), die Vettermühle (1840 mit Hochofen, darin Glasfabrik, Gold- und Silberschmelze, 1854 Chemische Fabrik Leonhardi, 1945 zerstört), die Hänsel-Mahl-und Schneidemühle, die Damm- oder Nudelmühle, sowie 3 auf Bühlauer Flur standen daran.

Loschwitz wird Kurort

Bis 1838 unterschied man 3 Ortsteile: die Ratsgemeinde an der Elbe, die Amtsgemeinde vom Rietschelweg an den Grund hinauf und die Winzergemeinde auf den Hängen nach Wachwitz zu (Ratsstraße, Amtsstraße, Winzerstraße). Kurz vorher hatte der Dresdner Rat die Weinberge des Maternihospitals veräußern lassen: den Vorderberg über der Kirche, den Mittelberg mit dem Mittelkessel (Robert-Diez-Straße) und den Hausberg mit dem Winzerhaus (Calberlastraße). Als die Reblaus die Weinstöcke vernichtet hatte, fand die Winzerei ein Ende. Erinnerungen blieben erhalten in Form von Weinbergmauern, Winzerhäuschen, Bergstufen und Terrassen, Weinspalieren, der Weintraube als Schlußstein (Körnerweg 8 von 1808) und im Gemeindesiegel von 1697 oder der Winzersäule Veilchenweg 9). Die Weinberge waren schon im Laufe des 19. Jh. allmählich mit Landhäusern bebaut worden, und Loschwitz entwickelte sich in rascher Folge zum bevorzugten Villenort Dresdens. Auch als Kurort erlangte es einen Ruf durch die Gründung der Sanatorien von Dr. SIEGFRIED MÖLLER (1904, Alpenstraße) und von Dr. EUGEN WEIDNER (1918, Wachwitzer Höhenpark), die heute als Krankenhäuser dienen.

Verkehrsführung

Der Verkehr zwischen Loschwitz und Dresden erfolgte über die Fähre, auf dem Stadtweg (Schillerstraße) oder auf der Ledergasse an der Elbe, dem heutigen Körnerweg. An Markttagen fuhren Kähne, Kaffer oder Käffer genannt, zur Stadt. Die Pillnitzer Landstraße, erst kaum 3 m breit, wurde 1885 ausgebaut. 1891-93 entstand die heutige Elbbrücke.

Wasserwerk „Saloppe“

Die Loschwitzer Flur besitzt zahlreiche erwähnenswerte Einzelobjekte: Das erste Dresdner Wasserwerk Saloppe wurde 1871-75 durch den Ingenieur BERNHARD SALBACH und den Stadtbaurat THEODOR FRIEDRICH errichtet (Gedenktafeln am Gebäude). Um das Grundwasser der Elbtalweitung zu sammeln, wurde eine 1438 m lange Sickergalerie mit gußeisenien Sickerröhren im Schotter des Elbufers eingesenkt, dazu kamen später noch 57 Rohrbrunnen. Das Wasser wird in das Werk gehoben, gereinigt, aufbereitet und durch 2 Rohre von 650 mm Durchmesser zu den Hochbehätern am Fischhaus gedrückt, wohin auch eine 800-mm-Leitung des Wasserwerkes Hosterwitz führt. Vom Fischhaus gehen die Hauptleitungen des Stadtnetzes (750 mm Durchmesser) ab. Bis zur Eröffnung des Werkes Tolkewitz oblag die Wasserversorgung Dresdens der Saloppe allein.
Unterhalb der Saloppe mündet der Eisenbornbach durch die Öffnung einer Gartenmauer in die Elbe. Das Gartengrundstück gehörte dem einflußreichen Literaten THEODOR WINKLER, der unter dem Namen THEODOR HELL die ,,Abendzeitung” herausgab und das literarische Leben der Dresdner Biedermeierzeit beherrschte. 1848 erwarb es HEINRICH BROCKHAUS, dessen Vater den Verlag F. A. Brockhaus in Leipzig gegründet hatte; von ihm stammen die Villa (Brockhausstraße) und die noch erhaltenen Reste der Gartenanlage.

Schloss Albrechtsberg

Auf dem Platz eines zweistöckigen Landhauses, seit 1821 als Gaststätte nach semem ersten Besitzer, einem schottischen Lord, Findlaters Weinberg genannt, ließ 1850-54 Prinz ALBRECHT VON PREUSSEN durch den preußischen Landbaumeister ADOLF LOHSE einen bemerkenswerten Bau des Berliner Spätklassizismus errichten; dieses stattliche dreigeschossige Schloß Albrechtsberg ist mit seinen beiden Flankentürmen symmetrisch angelegt und folgt dem Vorbild der Villa Medici in Rom als dem Grundtyp derartiger Gebäude. Es stebt mit seinen Terrassen auf einer 35 m hohen Düne und mußte deshalb durch kostspielige Gründungsmauern und Wasserstollen gesichert werden. 1930 wurde der schöne Park durch Wegeanlagen der Öffentlichkeit erschlossen, 1951 das Haus als Pionierpalast Walter Ulbricht für die Jungen Pioniere eingerichtet.

Lingner-Schloss

Neben diesem Schloß ließ Prinz ALBRECHT durch denselben Baumeister 1850 bis 1853 noch die Villa Stockhausen errichten, die 1891 von dem Nähmaschinenfabrikanten BRUNO NAUMANN (Firma Seidel und Naumann) und 1906 von KARL AUGUST LINGNER gekauft wurde. LINGNER war 1885 nach Dresden gekommen, begründete eine Reihe sozialer Einrichtungen Dresdens, so Kinderpoliklinik, Säuglingsheim, Desinfektionsanstalt, Schulzahnklinik sowie eine Lesehalle, führte die 1. Internationale Hygiene-Ausstellung 1911 durch und stiftete das Hygienemuseum. In seinem Testament vermachte LINGNER das Schloß der Stadt Dresden als Volkserholungsstätte. Heute ist der Dresdner Klub des Kulturbundes der DDR der Hausherr. Am Fuß des Berghanges befindet sich das Mausoleum von LINGNER, ein kleiner Bau von ovalem Grundriß. Die Reliefs der Frauengestalten auf den Wandungen stammen von GEORG KOLBE.

Schloss Eckberg

An den Park dieses Lingnerschlosses grenzt Schloß Eckberg, wahrscheinlich auf dem Weinberg des Hofkapellmeisters HEINRICH SCHÜTZ gelegen. Der Großkaufmann JOHN DANIEL SOUCHAY ließ 1859-61 das burgartige Schloß im Tudorstil durch CHRISTIAN FRIEDRICH ARNOLD bauen.

Blaues Wunder

Eine der bekanntesten Brücken über die Elbe ist die Loschwitzbrücke, im Volksmund als „Blaues Wunder“ bekannt. Es verbindet die Stadtteile Blasewitz und Loschwitz. Das Blaue Wunder stammt aus dem Dresden der Jahrhundertwende, das unter anderem auch durch technische Denkmäler wie die Standseilbahn oder die Hängebahn bekannt ist.

Standseilbahn und Schwebebahn

Die Standseilbahn (545m lang, 95m Höhenunterschied = 17,5% Steigung, 1m Spurweite) wird seit dem 20.9.1895 betrieben, erst mit Dampfkraft, seit 1905 elektrisch. Durch Verwendung zahlreicher Batterien ist sie wie die Schwebebahn vom Stadtnetz fast unabhängig. An ihrer oberen Kopfstation entstand der Luisenhof.

Die Schwebeseilbahn nach Oberloschwitz, die zweite Loschwitzer Bergbahn ist 280m lang und hat 84 m = 33% Steigung. Sie wurde am 6.5.1901 eröffnet. Die Eisenkonstruktion besteht aus 33 bis 13 m hohen Jochen, die, mit Ausnahme des sogenannten Ankerjoches, zum Temperaturausgleich beweglich gehalten sind.

Eduard Leonhardi und andere Künstler

Die beiden rückwärtig gelegenen Gebäude in der Roten Amsel, Grundstraße 26, sind von dem Landschaftsmaler und Tintenfabrikanten EDUARD LEONHARDI l884 bzw. 1896 als Atelier- und Ausstellungsräume für seine eigenen Gemälde errichtet worden. An die Mühle erinnert noch ein Tisch mit einem Mühlstein als Platte. LEONHARDI war Schüler LUDWIG RICHTERS, der seit 1852 bis zu seinem Tod 1884 jeden Sommer nach Loschwitz kam. Im Garten daneben steht ein für ihn am 28.9.1884 enthülltes Denkmal. Das verwinkelte Haus Pillnitzer Landstraße 59 von 1897/98, das mit seinen Stilelementen zwischen Historismus und Jugendstil steht, enthält 16 Künstlerwohnungen und -ateliers, von denen eines auch JOSEF HEGENBARTH nutzte. Einige der Maler fanden auf dem gegenüberliegenden Friedhof ihre letzte Ruhestätte. Viele von diesen Gräbern sind mit wertvollen Denkmälern ausgestaltet.

Kirche

Loschwitz war in die Frauenkirche eingepfarrt, bis 1704 der Ratszimmermeister George Bähr den Auftrag erhielt, eine Kirche für das Dorf zu entwerfen. Am 29.6.1705 wurde der Grundstein gelegt, am 3.8.1708 der Bau ein geweiht Er war gleichsam eine Vorstufe der Dresdner Frauenkirche BÄHRS: ein achteckiger Zentralbau mit abgewalmtem Mansardendach und einem Dachreiter. Die Kirche, hochwasserfrei an der Berglehne gelegen, wurde 1945 durch Bomben zerstört.

Schule

Schon 1668 bestand Loschwitz eine Schule, sie befand sich bis 1710 in einem 1892 abgebrochenen Haus nahe dem Dorfbach, von 1710 bis 1887 war sie in dem Haus Pillnitzer Landstraße 8, dann Nr.14 (1945 zerstört) untergebracht. 1909 wurde die Schillerschule, Fidelio-F.-Finke-Straße 15, gebaut, die spätere 62. POS.

Quelle: blaues-wunder.de

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